Tag 9 – Montego Bay nach Santo Domingo

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Comments are off Feb 8, 2016 AIDA Luna - Karibik 2016

Tag 9 – Seetag 5 – Montego Bay nach Santo Domingo
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Es ist Rosenmontag, auch an Bord. Oh weih. Irgendwie passt das nach meinem Geschmack nicht. Vor allem weil Alaaf und Helau, Karneval und Fasching von jedem verwechselt werden und so erst gar keine richtige Stimmung aufkommen kann. Was bitte ist Fasching. Sind wir hier in Mainz? Und ausserdem gibts keinen Strassenkarneval und das ist doch das einzig Wahre. Aber so ist das mit Karneval. Mal hasst man, mal liebt man ihn. Ich zum Beispiel fand Karneval als Kind bombig. Auch war ich immer in die Funkenmariechen verliebt. Und zwar nicht in eins, sondern in alle. Bis ich so 13 war. Da kannst du dann mit Mädchen eh nichts anfangen, als Junge. Oder nur die ganz coolen. Danach kommt dann das Alter, in dem man sich nicht so gerne verkleidet. Wenn du nicht weisst, wer du bist, wo was hängt und du mit Akne eh ein ganz gutes Kostüm hast, kannst du dich nicht auch noch um Karneval kümmern. Und Erwachsene, die sich verkleiden und so ein wenig ausgelassen rumhopsen sind dir selbstverständlich auch ziemlich peinlich, vor allem wenn es die eigenen Eltern sind. Zum Glück hatte ich keine wirklich coolen Eltern. Denn das ist noch schlimmer, wenn deine Freunde deine Eltern cooler als dich finden. Nach der Pubertät fand ich Karneval dann immer noch scheisse. Mir erschien der Karneval weder politisch korrekt noch extrem lustig. Das alljährliche Lustigsein auf Knopfdruck war mir unverständlich und Ausdruck deutscher Borniertheit. Zur Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich wann anders gesoffen und geraucht habe. Und ausserdem bin ich ein Kind der Kohl-Ära. Als die, die deutsche Fahnen schwangen auch so drauf waren, ja, auch bei der Weltmeisterschaft. Als die CDU/CSU noch so rechts war, dass ihr Vorsitzender auf SS-Friedhöfen Spalier stand. Das kann man sich so gar nicht mehr vorstellen. Da brannten Asylunterkünfte. Da wurden Hetzjagden auf andersartige gemacht und die Presse schrieb vom Flüchtlingsstrom und den Schmarotzern. Es gab, trotz des Franz-Josef-Strauss-Verbots, es dürfe keine Partei rechts von der CSU geben, rechte Parteien, die Schiessbefehl forderten und die die abendländische Kultur in Gefahr sahen. Es gab „zu viele Asylanten, zu viele Türken, zu viele Aussiedler und ja auch zu viele Ostdeutsche“. Denn das Boot war auch damals voll und wir waren das Volk, die Russen hatten Atomwaffen und einen Patriarchen, die Amis waren Weltmacht, der Westen führte Krieg ohne UNO-Mandat im Nahen Osten und sonst wo und auch Seehofer kämpfte damals schon für Frauenrechte. (Das Recht nämlich, Vergewaltigung in der Ehe nicht unter Strafe zu stellen.) Das waren die 80iger und die ersten 90iger. Oder? Ach ne, stimmt ja gar nicht, oder doch? Stand doch gestern erst in der … ach, „Ich komm nicht mehr klar, hey, die Faschos hören Tupac, die Bullen Bob Marley“ (Jan Delay).
Heute finde ich aber Karneval eigentlich wieder ganz cool. Wenn man mit netten Leuten (Gruß ans Steffi-Löckchen) unterwegs ist und sich selbst Traditionen schafft, macht das doch auch Spass.
Abends gehen wir spielen. Flipper und Kicker und so. Und da laufen so eine paar kleine Jungs rum, die eigentlich schon längst ins Bett gehören, aber deren Eltern sie wohl vergessen haben, oder denken, sie würden friedlich in ihren Kabinen schlafen. Das ist ein Paradies hier für freche Kinder. Die Eltern knülle oder entspannt am Pooldeck oder schlafend, die Kinder auf der Piste und keiner merkts. Na jedenfalls, brettert plötzlich eine Mutter um die Ecke, ist knallrot vor Wut und krallt sich so einen, sagen wir Finn. Wir lauschen gebannt und erfahren folgendes: An Bord bezahlt man mit seiner Bordkarte, da kriegt man dann eine Quittung zum unterschreiben und kann Trinkgeld eintragen. Das hat Finn auch gemacht, als er sich ne Cola bestellte. Freundlicherweise hat er auch Trinkgeld gegeben. Tausendsechshundert Euro. Und wie das mit einem automatisierten Buchungssystem so ist: Biste einmal drin kommst nicht so schnell wieder raus. Zum Glück war es der letzte Urlaubs-Tag von Finn und seiner Familie, sonst wäre die weitere Getränkeauswahl für Finn wohl eher etwas spärlicher ausgefallen. Prost!